In Eigener Sache
The 2018 NextBusiness Report
NextBusiness 2020 Report: Ein Jahr voller Veränderung

NextBusiness 2020 Report: Ein Jahr voller Veränderung

Stefan Wittwer
31/12/2020
In Eigener Sache

Wir blicken auf ein (etwas zu) ereignisreiches Jahr 2020 zurück. Wie für viele andere Unternehmen stand das vergangene Jahr für uns ganz im Zeichen des Wandels. In diesem Beitrag werfe ich einen Blick zurück auf die grössten Meilensteine und Schwierigkeiten, die unser Team und mich im 2020 beschäftigt haben.

Trotz allen Umständen konnten wir uns dieses Jahr enorm weiterentwickeln und die Grundsteine für grossartige neue Angebote legen. So haben wir dieses Jahr eine neue Wissens- und Inspirationsplattform Spark lanciert und füllen diese nun weiter mit interessantem Inhalt, um ein Beispiel zu nennen. In unserer In-House-Agentur NextCreative haben wir den Auftritt völlig überarbeitet und mehrere grosse Kundenprojekte abgeschlossen. Zudem haben wir mit NextBusiness Start einen neuen Online-Berater für NeugründerInnen entwickelt, den wir im Januar veröffentlichen werden, und haben die nötigen Personalentscheidungen und Vorbereitungen getroffen, damit wir nächstes Jahr in der Lage sind, ein viel grösseres Softwareprojekt umzusetzen.

Wie in jedem Jahr mussten wir uns auch mit einigen Challenges auseinandersetzen. Ich möchte mich in diesem Rückblick auf drei grosse Punkte beschränken, um diese etwas näher zu reflektieren:

Remote-first Arbeitsmodus

Schon länger hatten wir intern darüber gesprochen, eine remote-first Arbeitskultur ermöglichen zu wollen. Bereits 2019 kommunizierten wir asynchron via Microsoft Teams und hielten regelmässig kurze Meetings am Wochenende von zuhause aus. Der Ausbruch der Pandemie im Frühjahr hat unsere Remote-Bemühungen dann aber doch unerwartet beschleunigt.

So haben wir grundlegend verändert, wie wir unsere Meetings strukturieren, um diese im Remote-Setting effektiver zu machen, und sahen uns auch gezwungen, neue Tools für rein digitale Zusammenarbeit anzuschaffen, beispielsweise ein Ersatz für das physische Whiteboard im Büro oder auch ein Tool, womit man über Distanzen hinweg an einem Design zusammenarbeiten kann. An dieser Stelle muss ich festhalten, dass die verbreitete Software für letzteren Zweck noch weit entfernt von zufriedenstellend ist.

Ein kollaboratives Design-Tool. Eines Tages werde ich vielleicht nachvollziehen, welche Sünden ich begangen habe, um mit Hamburger-Menüs in Desktop-Applikationen bestraft zu werden.

Insgesamt bin ich zufrieden mit unserem Fortschritt in der neuen remote-first Welt, aber die zwischenmenschlichen Aspekte des Teams kamen in der Umstellung auf jeden Fall zu kurz. Ich hoffe darauf, dass wir uns nächstes Jahr wieder etwas öfter persönlich sehen können, denn die positiven Effekte von gelegentlichem Zusammenarbeiten oder Team-Events sind nicht zu unterschätzen.

Meine Takeaways für andere in dieser Situation:

  • Mehr asynchron kommunizieren
    
Nicht alles muss synchron ablaufen, damit Fortschritte gemacht werden können. Viele Meetings und Telefonate können anderen Formen der Kommunikation wie der schriftlichen Ausarbeitung von Konzepten oder Nachrichten auf einer Plattform wie Microsoft Teams oder Slack weichen. Zum Beispiel kann ein Statusmeeting durch einen längeren Post auf Teams ersetzt werden. So lässt sich die produktive Zeit der einzelnen Teammitglieder schützen und alle können unabhängig von ihrem Standort arbeiten und auf Kommunikation reagieren, sobald sie Zeit haben.
 Erst so lassen sich die grossen Vorteile einer remote-first Kultur wirklich ausschöpfen.
  • Zwischenmenschliches nicht vernachlässigen
    
Remote-first bedeutet, dass man sich nicht für jedes Meeting und tägliches Arbeiten am gleichen Ort zeitgleich treffen muss. Es bedeutet nicht, dass physische Interaktion gar keinen Platz hat. So sollte auch eine remote-first Firma regelmässige „Get-Togethers“ organisieren, um den Teamzusammenhalt und den spontanen Austausch zu fördern. Unternehmen wie Doist, Basecamp oder Webflow, die schon lange vor 2020 sehr remote-freundlich aufgestellt waren, haben das schon seit Längerem realisiert. Wir werden im nächsten Jahr sobald möglich wieder mehr Team-Events und Workshops veranstalten.

Stimmen aus unserem Team:

Auch wenn wir jetzt alle ein wenig einen anderen Alltag haben und an anderen Orten sind und es die jetzige Situation nicht zulässt, sich an der Uni oder so zu sehen, haben wir es geschafft, ein System aufzubauen, das einigermassen funktioniert. Dies sollte also kein Grund sein, ein Projekt aufzugeben. Wenn man wirklich dran glaubt, dann gelingt es auch, daran festzuhalten. Wir konnten dieses Jahr im Bereich Home-Office viel lernen und haben für uns eine Remote-Lösung gefunden. Es ist extrem wertvoll, einen Ort zu haben, an den man regelmässig gehen kann, an dem man eine Aufgabe hat und an dem man auf Leute trifft, mit denen man sich gut versteht (habe ich realisiert, nachdem ich drei Monate zu Hause festsass und dann regelmässig ins Büro gehen konnte, denke es geht vielen Leuten so). Man darf so Sachen nicht für selbstverständlich nehmen.

Reorganisation und Wechsel im Team

Wir haben realisiert, dass wir eine bessere Balance zwischen eigenen Projekten und kundenseitigen Dienstleistungen finden müssen, um unsere Vision im gewünschten Tempo voranzutreiben. So haben wir dieses Jahr mehrere Angebote eingestellt und die Kapazität unserer In-House-Agentur NextCreative auf wenige Neukunden pro Quartal reduziert, um mehr Zeit für innovative Projekte zu schaffen und die Qualität der Kundenprojekte sicherzustellen. Damit verbunden ist auch eine neue Teamstruktur und ein neues Zielsystem.

Es war nicht einfach, die Umstellungen so umzusetzen, dass das Anreizsystem für alle fair ausgelegt ist und damit nach der Umstrukturierung die Organisation nicht unkoordiniert dahinvegetiert. Dank unserem wandlungsfähigen Team und intensiven Alignment-Bemühungen konnten wir diese Umstellung aber zufriedenstellend abschliessen und sind nun sehr gut aufgestellt, um 2021 der Welt einige neue, aufregende Projekte vorzustellen.

Warum Alignment nicht zu unterschätzen ist: Individuell wertbringende Arbeit kann in der Summe trotzdem nirgendwohin führen, wenn Alignment fehlt.

Es gab dieses Jahr auch einige Änderungen im Team zu vermelden. Sehr erfreulich ist, dass wir Jesse und Anne-Sophie diesen Sommer in die NextBusiness-Family aufnehmen durften. Der Einsatz und die Qualität der Arbeit der beiden neuen Teammitglieder beeindrucken mich bis zum heutigen Tag.

Leider sind im Zusammenhang mit dem Team auch schwierigere Veränderungen eingetreten. So hat sich dieses Jahr Sven (im Team auch unter dem liebenswerten Rufnamen „Pule“ bekannt) aus seiner Position zurückgezogen, um sich auf sein anspruchsvolles berufsbegleitendes Studium konzentrieren zu können. Er wird uns ab nächstem Jahr in einer beratenden Funktion unterstützen. Wir haben uns ausserdem von Sebastian verabschiedet, der unser Team bis Mitte Jahr begleitet hat.

Meine Takeaways für andere in dieser Situation:

  • Wandel ermöglicht immer auch neue Chancen
    
Einen organisatorischen Wandel zu vollziehen, ist nicht einfach und stellt deswegen immer ein grosses unternehmerisches Risiko dar. Manchmal lohnt es sich aber, dieses Risiko wahrzunehmen, um neue Chancen zu ergreifen. Der Schlüssel zur erfolgreichen Umsetzung ist, das Gespräch mit allen im Team zu suchen und einen Plan zu gestalten, womit potenzielle Probleme aus einem Wandel (z.B. finanzielle Risiken) antizipiert und gemildert werden können.

  • Alignment, Alignment, Alignment!
    
Viele Startups schlagen fehl, weil Teammitglieder unbewusst in unterschiedliche Richtungen arbeiten oder verschiedene Zukunftsvorstellungen für ein Produkt oder das Geschäft haben. Deshalb finde ich es unglaublich wichtig, klarzustellen und immer wieder zu kommunizieren, was die Vision ist und wie man dorthin gelangt.
 Auch ganze Strukturen wie Zielsysteme müssen darauf ausgelegt sein, dass die Ziele immer im Sinne der unternehmerischen Mission stehen. Nur so ist langfristiger Fortschritt in der Organisation sichergestellt, weshalb diese Überlegungen unbedingt in die Planung und Umsetzung eines Wandels einfliessen müssen.
  • One-on-Ones als nützliches Tool
    
Um die „Temperatur“ im Team zu messen und sicherzustellen, dass die Arbeit aller Teammitglieder mit der gemeinsamen Mission zusammenpasst (Alignment), hat sich das Format regelmässiger One-on-Ones mit allen Teammitgliedern, das wir dieses Jahr eingeführt haben, als sehr nützlich erwiesen. Es erlaubt, Inputs von allen in die gemeinsame Richtung einfliessen zu lassen und Probleme frühzeitig zu erkennen. In einem zukünftigen Spark-Beitrag werde ich detailliert darauf eingehen, was meiner Meinung nach ein sinnvolles Vorgehen bei One-on-Ones in einem Startup ausmacht. Um das Wichtigste vorwegzunehmen: Es lohnt sich, eine klare Struktur mit vordefinierten Fragen vorzubereiten, welche so gestaltet ist, dass viele Möglichkeiten für offene Inputs zu Themen entstehen, welche im Gespräch beliebig vertieft werden können.

Stimmen aus unserem Team:

Totale Umstrukturierung der Operations (in meinen Augen sehr positiv). Nur weil man lange Zeit auf einem Weg verbracht hat, heisst nicht, dass es der richtige ist. Wir hatten Mut zur Veränderung und haben uns völlig neu aufgestellt. Richtige Anreize schaffen, um Talente langfristig an ein junges Unternehmen zu binden. Es ist schwierig eine Lösung zu finden, die für alle fair ist. Hat bei uns zum Glück gut geklappt! Reis ohne Hühnchen, unser allerliebste Pule hat uns verlassen und wird schrecklich vermisst. Pule where are youuuu? Sebastian hat NextBusiness verlassen. Aus solchen Situationen kann man auch immer wieder einiges lernen. Sehr zufriedenstellender Zuwachs im Juni, beide sind perfekt für unser Team geeignet.

Fortschritt in grossen Projekten

Grosse Projekte erfordern tausende kleine Schritte. Deshalb kann es oft schwierig sein, im Verlauf solcher Projekte konsequent daran zu bleiben und das grosse Ganze präsent zu halten.

Mit diesem Problem ist wohl jedes Startup mit grandiosen Zielen konfrontiert. Bei uns habe ich das besonders während der ersten Coronawelle im Frühjahr gespürt, als Fortschritte an unserem neuen Gründungsberater NextBusiness Start viel langsamer als erwünscht vorangingen.

Hierfür gibt es leider keine einfache Lösung. Es braucht viel Übung, Selbstdisziplin und kollektive Erfahrung als Team. Für uns wird es eine Challenge bleiben, das im nächsten Jahr weiter zu verbessern. Auch bei der Vorgehensweise selbst muss man bereit sein, zu experimentieren und Projekte so abzuändern, sodass sie durch einen überschaubareren Umfang einfacher gemanaged und umgesetzt werden können.

Meine Takeaways für andere in dieser Situation:

  • Leadership-Challenge wahrnehmen
    
Ich sehe es als eine Leadership-Aufgabe, allen Teammitgliedern zu ermöglichen, dass sie in ihren Projekten Fortschritte machen können. Diese Verantwortung muss wahrgenommen werden, denn es ist nicht der Fehler der Teammitglieder, wenn Projekte nicht vorwärts kommen, sondern meiner. Es ist wichtig, dem Team das grosse Ganze immer wieder in Erinnerung zu rufen, Roadblocks frühzeitig zu erkennen, bei häufigen Verzögerungen Änderungen an Projektprozessen vorzunehmen (z.B. durch Einsatz einer Methode wie Scrum oder Shape Up), die Erwartungen klar zu kommunizieren und bereit zu sein, Projekte zu crashen oder gar abzubrechen, um Deadlines geltend zu machen.
  • Projekte zerlegen
    Eine nützliche Taktik, um diesem Problem proaktiv entgegenzuwirken, ist das Aufbrechen grosser Unterfangen in kleinere, in sich abgeschlossene Projekte, die schneller umgesetzt werden können und besseren Überblick ermöglichen. So kann beispielsweise der Launch einer Plattform mit viel Funktionalität in mehrere kleinere Produkte aufgeteilt werden, die zunächst separat entwickelt und sukzessive auf den Markt gebracht werden. Was man glaubt, sei das Minimum Viable Product, könnte in Realität oft in noch kleinere, in sich nützliche Teile zerlegt werden, was die Chancen für Projekterfolg erhöht.

Stimmen aus unserem Team:

Step by Step: Auch grosse Projekte müssen in kleinen, oft mühseligen Schritten angegangen werden. Da wir alle auch abseits von NextBusiness einen Haufen um die Ohren haben, braucht es viel Selbstdisziplin um dranzubleiben. Mir fällt das am einfachsten, wenn ich mir immer wieder vorstelle, wohin das Ganze am Ende führen soll – auch ausserhalb der Arbeitswelt kein schlechtes Vorgehen. Wir haben dieses remote System jetzt zwar und alles, aber wir müssen doch noch lernen, das effizient umzusetzen und am Ball zu bleiben. Ich denke, solche Sachen zu vereinbaren, ist immer eine grosse Aufgabe, das darf man nicht unterschätzen. Hier ist es sicher hilfreich, immer wieder zu hinterfragen, warum man das Ganze macht, damit man auf ein Ziel hinarbeiten kann, an dem man auch Freude hat.

Auch wenn dieses Jahr viele Schwierigkeiten mit sich brachte, bin ich sehr stolz auf die kollektive Entwicklung, die wir als Startup im Jahr 2020 durchgemacht haben, und ganz besonders auf unser Team, das trotz einem sehr anstrengenden Jahr erfreulichen Einsatz und harte Arbeit geleistet hat. So kommen wir der Umsetzung unserer Mission, das Unternehmertum neu zu erfinden, immer ein Stück näher.

Mit diesen Gedanken und einem positiven Ausblick entlasse ich die LeserInnen in ein gesellschaftlich hoffentlich etwas weniger aufregendes Jahr 2021. Für Spark haben wir übrigens für nächstes Jahr viel Neues geplant!