Vision 2030
Das reichste Land der Welt gründet nicht!
Wir brauchen kritisches Denken!
Ein Tick zu viel Information

Wir brauchen kritisches Denken!

Simon Helbling
10/11/2020
Vision 2030

Veränderung entsteht aus Innovation, die nur Einzug hält, wenn eine Bereitschaft, den Status quo zu hinterfragen, und ein Drang zur Verbesserung der Situation besteht. Manchmal stelle ich fest, dass dies, gerade in meiner Generation, nur bedingt vorhanden zu sein scheint.

In letzter Zeit ist mir ein bedenklicher Trend ins Auge gestochen. Sogenannte «React»-Videos, in denen Personen auf den Videoinhalt anderer reagieren, gewinnen auf Plattformen wie YouTube immer mehr an Beliebtheit. In gewissen Fällen übersteigen die Klickzahlen dieser Videos sogar jene der Originalquelle. Um diese Entwicklung zu erklären, muss man meiner Meinung nach bloss einen Blick auf das gesellschaftliche Geschehen werfen, sie geht nämlich Hand in Hand mit der Ausbreitung von Populismus und polarisierendem Journalismus in ganz Europa. Worauf ist das zurückzuführen? Ganz einfach: Wir sind faul.

Mir ist bewusst, dass zahlreiche andere (soziale) Aspekte bei diesen Phänomenen eine Rolle spielen und unterschiedliche Meinungen unglaublich wichtig sind, um einen Diskurs zu ermöglichen. Nichtsdestotrotz finde ich es besorgniserregend, dass sich viele Menschen auf diese Weise bevormunden lassen, nur weil es angenehmer und gemütlicher ist, als sich selbst Gedanken zu einem Thema zu machen. Die bedingungslose Übernahme vorgefertigter Meinungen ist ein selbstauferlegter Maulkorb!

Bei NextBusiness wollen wir NeugründerInnen dazu ermutigen, ihre Geistesblitze in die Tat umzusetzen, und sie auf ihrem Weg begleiten. Das ist aber nur möglich, wenn auch Ideen, die auf den ersten Blick wagemutig erscheinen, weiterverfolgt werden und nicht versanden. Schliesslich gibt es ohne Risikofreude keine Innovation. Gute Ideen entstehen nur aus kritischem Denken und dem Willen, etwas an der gegebenen Situation zu ändern. Solange man sich zu gemütlich ist, gegebene Dinge selbstständig zu hinterfragen, kann man keine Veränderung der Situation herbeiführen.

Was wir heute brauchen, sind helle Köpfe, die bereit sind, neue Wege zu gehen und diese konsequent zu verfolgen. Ich bin überzeugt, dass gerade in den jungen Generationen unglaublich viel Potenzial steckt, das sie mithilfe der richtigen Betreuung und Unterstützung ausschöpfen können. Sie sind jene, die in der digitalen Welt aufgewachsen sind und sich problemlos in ihr zurechtfinden. Demnach ist es nur logisch, dass auch sie diejenigen sind, die sie weiter verbessern. Unsere Mission ist es, diese Personen vom Unternehmertum zu begeistern und in ihrem Handeln zu bestärken.

Unsere Geschichte ist von Persönlichkeiten geprägt, die bereit waren, Neues auszuprobieren, und sich dabei nicht scheuten, Etabliertes zu hinterfragen, und durch die eigenen Ideen bald überflüssig machten. Der Schweiz geht es gut, aber damit dies so bleibt, müssen wir uns weiterentwickeln und uns keinesfalls mit dem Status quo zufriedengeben.

Wäre es nicht einmal eine gesunde Abwechslung, sich eigene Gedanken zu einem Sachverhalt zu machen, statt Aussagen von Meinungsführern wiederzukäuen oder die jetzige Situation als statisch hinzunehmen? Das beginnt schon im Kleinen, wenn man nach neuen Wegen sucht, die eigene Umwelt zu gestalten.

Eine kritische, eigene Meinung ist das wichtigste Werkzeug für eine klare Richtungsfindung. Es liegt an uns allen, dies in die Hand zu nehmen.